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Die Stadt Seelze will sich endlich verabschieden von ihrem Image als „graue Maus“. Der Bau einer imposanten Wellnesstherme wird nun als bahnbrechende Entwicklung bezeichnet und könnte zu einer großen Attraktion in der ganzen Region werden. Seelzes Erster Stadtrat Karsten Balzer legt den Ratsmitgliedern umfangreiche Informationen vor, damit noch vor den Sommerferien entschieden werden kann, ob die Stadt mit der Kristall Bäder AG eine Wellnesstherme in Seelze baut.
Ein Modell zeigt die geplante Aphroditetherme mit ihren Kuppeln, Solebädern, Saunen und dem Schwimmbecken. Die neue Anlage wird schätzungsweise 250.000 Besucher jährlich anziehen. „Ich bin überzeugt, dass die Therme für Seelze eine ganz große Chance bietet“, sagt Balzer. Um vorab die Vorteile und Risiken abwägen zu können, wird die Verwaltung neben der Machbarkeitsstudie von Kristall außerdem Aussagen zur Verkehrssituation, zu baurechtlichen Fragen und zur Bodenbeschaffenheit erarbeiten. Der Ausschuss für Bildung und Freizeit wird in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Ortsrat Seelze am Dienstag, 4. Juli über das Projekt und den Vertragsabschluss beraten. Der Rat wird am Donnerstag, 13. Juli entscheiden, ob Kristall die Wellnesstherme in der vorgelegten Konzeption errichtet. Detlef Schallhorn (links) und Karsten Balzer von der Stadt Seelze präsentierten das Modell des ehrgeizigen Projektes „Wellnesstherme in Seelze“.Das bisherige Hallenbad im Stadtteil Seelze ist aufgrund akuter Sicherheitsmängel seit Januar geschlossen. Eine Sanierung würde voraussichtlich mindestens zwei Millionen Euro kosten. Aufgrund der finanziellen Situation der Stadt Seelze erschien es nahezu aussichtslos, diesen Sanierungsbedarf mit eigenen Mittel sicherzustellen. Die Stadt suchte deshalb einen Investor, um das Schul- und Vereinsschwimmen sicher zu stellen. Dabei sollte der jährliche Zuschuss der Stadt unter dem derzeitigen von 500.000 Euro liegen. Ein Investorenmodell muss gewährleisten, dass der defizitäre Betrieb des reinen Schwimmbereiches durch andere Einnahmen, wie etwa einen Freizeit- und Wellnessbereich, gegenfinanziert wird. Dabei sind grundsätzlich die Alternativen denkbar, dass ein Investor mit der Planung, der Finanzierung und dem Betrieb der Einrichtung beauftragt wird, oder aber die Stadt als Bauherr auftritt, der auch die Finanzierung sicherstellt, und dann den Bau und den Betrieb an einen Geschäftsbesorger überträgt. Nach Abwägung der Chancen und Risiken schlägt die Verwaltung vor, dass die Stadt als Bauherr auftritt und die Finanzierung sicherstellt und gleichzeitig den Bau und den Betrieb für das Badprojekt an einen Geschäftsbesorger zu übertragen. Damit kommen dem Projekt zum einen die deutlich günstigeren Kreditkonditionen zu Gute und zum anderen bleibt das Verfahren in den Händen der Stadt. Parallel zur Schadensbewertung im Hallenbad hat die Verwaltung deshalb eine Markterkundung durchgeführt und Kontakt zu mehreren potenziellen Investoren aufgenommen. Dabei hat sich herausgestellt, dass nur die Kristall Bäder AG aus Stein bei Nürnberg als bundesweit etablierter Investor bereit und in der Lage ist, zu den von der Stadt Seelze vorgegebenen Konditionen das bestehende Hallenbad zu sanieren und zur Gegenfinanzierung ein attraktives Freizeit- und Wellnessbad zu betreiben. Im März wurde daher eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis liegt jetzt vor. Nach der Wirtschaftlichkeitsstudie der Kristall-Bädergruppe kann das Badprojekt im Stadtteil Seelze an dem Standort des bisherigen Hallen- und Freibadgeländes realisiert werden. Die Verwaltung schlägt dem Rat jetzt vor, vor, für die Sanierung des bestehenden Hallenbades sowie für die Erweiterung um eine Sauna und Wellnesslandschaft direkt einen Vertrag mit dem Investor zu schließen. Die eigentlichen Baumaßnahmen sollen europaweit ausgeschrieben werden. Die Wellnesstherme würde in zwei Bauabschnitten verwirklicht werden, wobei nach nur fünf Monaten Bauzeit der Schwimmerbereich nutzbar wäre. Der Sole- und Saunabereich könnte nach weiteren 11 Monaten eröffnet werden. Zunächst müsste allerdings eine Baugenehmigung beantragt werden. Erfahrungen von Bäderanlagen in anderen Kommunen zeigen, dass die Aufträge zu einem Großteil in der Region verblieben. Über eine Patronatserklärung würde die Kristall Bädergruppe zusichern, dass im Falle finanzieller Schwierigkeiten des Freizeit- und Wellnessbades in Seelze die übrigen Bäder und der „Mutter-Konzern“ notwendige Kapitalmittel bereitstellt. Die Kristall-Bädergruppe garantiert der Stadt als Beteiligung am städtischen Kapitaldienst dann eine Pacht in Höhe von 200.000 Euro pro Jahr. Sofern der Thermen- und Saunabereich von mehr als 200.000 Besuchern genutzt wird, erhält die Stadt für jeden zusätzlichen Badegast ein Betrag in Höhe von 1,50 Euro. Als Betreiber sichert die Kristall-Bäder-Gruppe für die gesamte Laufzeit zu, dass das Vereins- und Schulschwimmen zu den bisherigen Konditionen und Zeiten garantiert wird. Die Eintrittspreise für den reinen Schwimmbereich betragen weiterhin drei Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder und Jugendliche. Dieses Preisniveau wird für die nächsten zwei Jahre garantiert. Die Stadt will mit dem Betreiber eine Betriebspflicht von mindestens 25 Jahren vereinbaren. Insgesamt werden etwa 27 Mitarbeiter im Bad selbst und weitere 20 Mitarbeiter im Restaurantbereich und in der Massageabteilung beschäftigt sein. Gebaut wird neben dem sanierten 25-Meter-Becken und einem Nichtschwimmerbereich, eine Sauna- und Wellnesslandschaft sowie ein Thermalsolewasserbereich. Die Anlage wird mit einem kuppelförmigen Texlondach energiesparend überspannt. Die Saunalandschaft soll ein großes dreigeteiltes Solebecken, ein osmanisches Hamam, zwei Dampfbäder und vier unterschiedliche Innensaunen erhalten. Außen würden sich drei weitere Saunen, ein Becken mit Strömungsanlage und ein Thermenbereich mit vier Solebecken finden. Ruheräume, Massageräume, ein Restaurant ergänzen die Anlage. Der zentralen Eingangsbereiches entsteht westlich mit direktem Zugang von der Grand-Couronne- Allee. Der Umbau des bestehenden Hallenbades zu einer Thermen- und Saunalandschaft einschließlich Entwicklungskosten, Geschäftsbesorgung, Erschließung, Bauwerk, Statik, Genehmigungsgebühren, Einrichtung, Ausgestaltung und Außenanlagen wird rund 14 Millionen Euro kosten. Das überwiegende finanzielle Risiko auch für steigende Energiepreise liegt bei dem Investor. Wie aus der Wirtschaftlichkeitsberechnung hervor geht, ist der Betrieb der Wellnesstherme bei einer Besucherzahl von 200.000 kostendeckend. Nach derzeitigen Kenntnisstand in der Verwaltung ist das Bauvorhaben am Standort des bisherigen Hallen- und Freibades bauordnungs- und bauplanungsrechtlich zulässig. Einzelne Prüfergebnisse dazu werden erst kurz vor den Sitzungen vorliegen. Die Anzahl der für das Bad nachzuweisenden maximal 280 Parkplätze reicht auf dem ehemaligen Parkplatz des Freibades an der Grand-Couronne-Allee und den bisherigen Parkflächen vor dem Hallenbad aus. Die Verwaltung plant, betroffene Institutionen und Anlieger frühzeitig über die Planungen zu unterrichten. Deshalb soll am Dienstag, 18. Juli eine öffentliche Informationsveranstaltung stattfinden. Der Gemeinschaft für Handel und Gewerbe Seelze werden das Modell und die Daten zur Wellnesstherme ebenfalls vorgestellt. Gespräche sind mit dem Vorstand des Vereins „Bürgerschützen von 1848 e.V.“ geplant, um Alternativen für die Durchführung des jährlichen Schützen- und Volksfestes zu finden. Auch die Geschwister-Scholl-Schule ist betroffen, denn die Container für die Fachunterrichtsräume müssen versetzt werden. Ein Alternativstandort wurde bereits ermittelt. Auch die Aufsichtsbehörden haben bereits Zustimmung zu dem ehrgeizigen Projekt in Seelze signalisiert. „Ein Bauvorhaben dieser Größenordnung birgt immer Risiken“, sagt Balzer, „denn welche Detailfragen wir noch klären müssen, wissen wir zur Zeit noch nicht und können es auch nicht wissen.“ Balzer weist aber auf die großen Chancen hin, die Seelze mit der Wellnesstherme nutzen kann. „Unsere örtliche Wirtschaft kann profitieren, es ist mit Gewerbesteuereinnahmen zu rechnen und der zusätzliche Freizeitwert und Imagegewinn für Seelze wird enorm sein.“ |