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Stadt erhöht Tarife – Baden wird teurer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Andreas Schinkel, HAZ   
Dienstag, 9. März 2010

Massive Kritik von den Schwimmvereinen / Eintritt für Arbeitslose steigt um bis zu 21 Prozent

Ungetrübter Badespaß – noch: Jan Wilko Heinzel und Dennis Kessing im Stadionbad.Steiner
Ungetrübter Badespaß – noch: Jan Wilko Heinzel und Dennis Kessing im Stadionbad.Steiner 

Hannover. Bei den Schwimmvereinen Hannovers schrillen die Alarmglocken: Die Stadt plant, die Mietpreise für die Schwimmbereiche in den städtischen Bädern teilweise um das Doppelte zu erhöhen. Auch Badegäste sollen ab 1. Mai zur Kasse gebeten werden, die Eintrittspreise in zehn Bädern will die Verwaltung um durchschnittlich zehn Prozent erhöhen. Insbesondere bei Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern langt die Stadt kräftig zu und schlägt auf den Eintritt für Hallenbäder knapp 16 Prozent, auf die Karten für Freibäder sogar 21 Prozent drauf. Der Eintritt für Erwachsene in die städtischen Hallenbäder soll künftig 3,50 Euro statt 3,20 Euro kosten. Allein der Tarif für Kinder bis 15 Jahren und Schüler steigt nur unwesentlich. Die Stadt erhofft sich von den Maßnahmen Einnahmesteigerungen von insgesamt 95 600 Euro jährlich.

Begründet wird der Schritt mit dem auch vom Rat beschlossenen Sparkurs. Außerdem seien seit der letzten Preissteigerung vor acht Jahren die Energie- und Betriebskosten erheblich gestiegen. Noch hat die Verwaltung nicht die Zustimmung der Ratspolitik für die neuen Badetarife, denn im Sportausschuss wurde die Entscheidung gestern vertagt. Die Grünen setzten das Thema auf Drängen der Schwimmvereine von der Tagesordnung ab.

„Die Stadt hat sich nicht an unsere Abmachungen gehalten“, kritisiert Klaus Jacob, Vorsitzender der Startgemeinschaft Schwimmen, einer Interessenvertretung der städtischen Schwimmvereine. Man habe sich zwar vorab mit Vertretern der Stadt zu Gesprächen getroffen, und die Vereine hätten durchaus die Notwendigkeit von Kostensteigerungen erkannt, aber es sei über viel kleinere Beträge diskutiert worden. Völlig überrascht war Jacob, als er dann den neuen Tarifplan der Stadt zu Gesicht bekam. Ginge es nach dem Willen der Verwaltung, müssten die Vereine ab 1. Januar 2011 nicht mehr rund sieben Euro bezahlen, um das Nichtschwimmerbecken des Stadionbads für eine Stunde nutzen zu dürfen, sondern 15 Euro. „Aber gerade das Nichtschwimmerbecken ist für unsere Schwimmkurse notwendig“, sagt Jacob. Auch die Miete für eine 50-Meter-Bahn im Stadionbad steigt von rund 3,60 Euro pro Stunde auf fünf Euro. „Wenn das umgesetzt wird, müssen viele Schwimmvereine ihre Mitgliedsbeiträge kräftig erhöhen“, sagt Jacob.

An der Kostenschraube für Vereine dreht die Stadt auch noch von einer anderen Seite. Zwar will sie Vereinsmitgliedern eine Dauerkarte für die städtischen Bäder spendieren, doch soll diese in Kombination mit dem Vereinsbeitrag nicht günstiger sein als die Halbjahreskarten für die üblichen Badegäste. Deshalb schreibt die Verwaltung den Schwimmvereinen vor, dass ihre Beitragssätze nicht unterhalb bestimmter Grenzen liegen dürfen – monatlich 6,50 Euro für Kinder, 11 Euro für Erwachsene und 17 Euro für Familien. „Damit greift die Stadt einfach in die Wirtschaftsweise der Vereine hinein“, beklagt der Vorsitzende der Startgemeinschaft Schwimmen. Für den Schwimmverein Union 06 etwa würden solche Mindestsätze bedeuten, dass er den Tarif für Kinder kräftig anheben müsste.

Zusätzliche Brisanz bekommt die Erhöhung der Eintrittspreise noch dadurch, dass in zwei städtischen Bädern die Zahl der Badegäste im vergangenen Jahr rückläufig war. So verzeichnete das Nord-Ost-Bad 2009 rund 10 000 Besucher weniger als im Vorjahr. Im Stöckener Bad ging die Zahl um 600 zurück. „Wie will die Stadt dem Gästeschwund begegnen“, fragte Grünen-Politikerin Ingrid Wagemann im Sportausschuss. Darauf wusste die Verwaltung keine Antwort. Immerhin hat Klaus Timaeus, Sport- und Eventmanager der Stadt, erkannt, dass die Schwimmvereine „wohl noch Gesprächsbedarf haben“. Man wolle sich demnächst noch einmal zusammensetzen, um über die Tarife zu sprechen, kündigte er an.

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 9. März 2010 )
 
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