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Geschrieben von Uwe Kreuzer, Leine-Zeitung   
Donnerstag, 11. Februar 2010

Türkischstämmige Jugendliche im Nachteil – Frauenabend im Bad als Lösung?

Immer weniger Kinder können schwimmen – das beobachtet Horst Rinne, beim TuS Seelze für die Sportabzeichen zuständig. Vor allem muslimische Kinder schaffen die notwendigen Prüfungen nicht.

Letter. Von selbst wollen Jugendliche kaum noch springen, laufen und schwimmen, um das altehrwürdige Sportabzeichen zu erringen. Der TuS Seelze geht deshalb dorthin, wo die Jugendlichen ohnehin sind: auf den Fußballplatz. „Wir kooperieren mit den Jugendmannschaften“, sagt Horst Rinne, seit 2001 Leiter der Sportabzeichenaktion beim TuS. „Das funktioniert eigentlich sehr gut.“

Aber: „Teilweise schafft ein Drittel die Schwimmprüfungen nicht.“ Vor allem türkischstämmige Kinder schaffen laut Rinne die geforderten 50 Meter nicht oder treten zur Prüfung gar nicht erst an.

Katja Ittershagen vom Förderverein Qualle, Betreiber des Hallenbads in Letter, teilt diese Einschätzung. „Deutsche Mütter gehen mit den Kindern früh schwimmen und gewöhnen sie ans Wasser“, sagt sie. „Türkinnen machen das nicht.“ Das Schulschwimmen komme in der vierten Klasse zu spät, um Ängste abzubauen und Spaß am Schwimmen zu vermitteln. Ein Halbjahr lang lernen Kinder dann schwimmen – das findet auch Schulleiterin Hildegard Aufderheide aus Lohnde wenig: „Aber wir bringen die Kinder eigentlich immer bis zum Seepferdchen.“

Das gewährleiste aber nicht, dass Kinder anschließend in der Freizeit schwimmen. Ittershagen weiß: Eltern müssen ihren Teil dazu beitragen, dass Kinder regelmäßig schwimmen. „Sonst könnten Kinder ertrinken, wenn sie in einen der Kanäle oder in die Leine fallen“, mahnt sie.

Das sei bei türkischen Eltern oft noch nicht angekommen, sagt Senay Celebi, die in Letter Integrationsprojekte leitet. Auch sie selbst sei nicht mit ihren Kindern ins Bad gegangen. „Ich würde nur in einem Raum schwimmen, der nicht einsehbar ist und in dem sich keine Männer aufhalten“, sagt die Deutschtürkin. Zum religiös begründeten Verhüllungsgebot komme die fehlende Gewohnheit. „In der Türkei ist Schwimmen kein typischer Zeitvertreib.“

Bei türkischen Müttern sei das Schwimmen aber inzwischen Gesprächsthema. „Wir wünschen uns Frauentage in den Schwimmbädern, wie in Hannover“, sagt Celebi. „Dann würden viele Türkinnen mit ihren Kindern baden gehen.“ Die Qualle hat zweimal Geld für solche Projekte beim Stärken-vor-Ort-Programm beantragt – vergebens. In diesem Jahr steht das Projekt auf der Warteliste. Falls Geld übrig bleibt, könnte es Frauenabende geben. „Auch deutsche Frauen wünschen sich das“, sagt Ittershagen. „Aber wir werden nicht die Fenster verhängen.“

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 12. Februar 2010 )
 
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