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Geschäftsführer kündigt Wachenhausen / Neue Bewerber sollen Schlange stehen Ludwigsfelde. Dass Jeanette Wachenhausen, der Betriebsleiterin der Ludwigsfelder Saunatherme, gekündigt wurde, das verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Stadt. Ebenso machen Gerüchte zu den Gründen die Runde. Sie reichen von „Unregelmäßigkeiten entdeckt“ über „ihr Vater, der Stadtverordnete Krause, hatte gegen den Bad-Verkauf gestimmt“ bis zu „Frau Wachenhausen hat ein Gegenangebot zum Verkauf gemacht“. Wie berichtet stimmten die Stadtverordneten vorige Woche nichtöffentlich über Verkauf oder Nichtverkauf des Bades ab. Eine Mehrheit will verkaufen.
Die MAZ fragte die Betroffenen. Bad-Betreiber ist Heinz Steinhart
von der Kristallbäder AG. Er ist auch Geschäftsführer der
Betreibergesellschaft Schwimm- und Gesundheitscenter Ludwigsfelde GmbH
(SGCL) und hält sich derzeit in Ludwigsfelde auf. Die Kündigung
bestätigt er: „Frau Wachenhausen ist mit sofortiger Wirkung
freigestellt und zum 28. Februar ordnungsgemäß und mit Abfindung
gekündigt“. Und er erklärt: „Ich bin Geschäftsführer und mache das
kommissarisch. Die Welt hier ist so lange in Ordnung, so lange ich hier
bin.“ Die Welt, die er meint, ist die Saunatherme an der Fichtestraße
mit derzeit 110 Angestellten in den Bereichen Restaurant, Massage und
Bad. Neun Angestellte hatte die SGCL Ende 2005 von der städtischen
Schwimmhalle übernommen.
Zu den Entlassungsgründen sagt Steinhart: „Auf Gerüchte geben wir
nichts. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass ihr Vater die
Stadtverordneten gegen den Bad-Verkauf aufhetzen wollte. Aber wir haben
in Deutschland keine Sippenhaft mehr.“ Nachdem er erklärt, dass sich
„ohne irgendeine öffentliche Information“ zu der freien
Betriebsleiterstelle „schon mehr als 30 Interessenten gemeldet haben“
und er bereits erste Vorstellungsgespräche führe, sagt er auch: „Wir
sind sehr wählerisch und wollen nach dem Grundsatz unseres Hauses
verfahren Loyalität geht über Genialität. Die Genialität von Frau
Wachenhausen hat nie jemand bezweifelt.“ Doch zum Vorwurf macht er der
Ludwigsfelderin: „Sie hat hinter meinem Rücken ihren Vater vom 12.
April 2007 bis 31. März 2008 eingestellt zum Strandkörbe reparieren“.
Das habe er sofort, als davon erfuhr, rückgängig gemacht. Für
Montagabend kündigt er eine Betriebsversammlung an.
Jeanette Wachenhausen erklärt: „Mein Vater wurde von mir nicht
eingestellt, er hat stundenweise geholfen, als die Angestellten die
Arbeit nicht mehr geschafft haben, das war im Interesse des Betriebes –
was ist daran verkehrt?“ Die Arbeit mit den Angestellten habe sie
begeistert, „ich habe sehr, sehr großen Respekt vor jedem Mitarbeiter,
und ich habe sehr gern für die Therme gearbeitet“. Dass diese Zeit
vorbei ist, tue ihr sehr leid. Ob sie arbeitsrechtlich gegen die
Kündigung vorgeht, das wisse sie noch nicht, „das ist alles noch zu
frisch“.
Der Parteilose Reinhold Krause, seit der jüngsten Kommunalwahl
Stadtverordneter (Fraktion Linke/Filu) in Ludwigsfelde und Vorsitzender
des Bauausschusses, sagt: „Für meine Tochter tut’s mir sehr leid. Aber
ansonsten kann ich nur sagen: Ich hatte keinen Arbeitsvertrag. Ich habe
bei Überlastung der Angestellten geholfen, ich war geringfügig
beschäftigt.“
Kommentar von Jutta Abromeit: Es bleiben Fragen
Ein Schelm, wer bei der Entlassung der Betriebsleiterin von der
Ludwigsfelder Therme Arges denkt. Natürlich gibt es in Deutschland
keine Sippenhaft. Das sagt Geschäftsführer Heinz Steinhart selbst im
MAZ-Gespräch. Doch er sagt auch, dass der Vater der Betriebsleiterin im
Bad angestellt gewesen sei. Das ist mittlerweile knappe zwei Jahre her.
Ist das wirklich der Grund – warum wird die Thermenchefin ausgerechnet
am Tag nach der Abstimmung über den Badverkauf entlassen, bei der ihr
Vater gegen den Verkauf votierte? Den Vorwurf, dass dieser Mann „die
Stadtverordneten gegen den Verkauf aufhetzen wollte“, den erhebt
Steinhart ganz öffentlich, wie nebenstehend zu lesen. Es bleiben Fragen.
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