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CDU-Zwist im Süden beendet? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Uwe Kreuzer, Leine-Zeitung   
Samstag, 6. Februar 2010

Überraschender Vorschlag: Velber soll Mitglieder aus vier Stadtteilen aufnehmen

Kehrt Ruhe ein im Stadtverband der CDU? Die Querelen um den Ortsverband Harenberg könnten ein überraschendes Ende finden.

Harenberg. CDU-Mitglieder aus Döteberg, Almhorst, Kirchwehren und Lathwehren sollen in Velber eine neue politische Heimat finden. Ortsbürgermeister Norbert Seiffert brachte die Idee bei einem Mitgliedertreffen vor.

Zuvor hatten die Vertreter der vier südwestlichen Stadtteile am Mittwochabend mitgeteilt, dass sie nach der Auflösung des alten Ortsverbands Harenberg keine neue Parteigliederung aufbauen werden. „Uns fehlt das Personal“, sagte Dorothea Plitzke aus Kirchwehren. Klaus-Peter Scholz aus Almhorst stimmte zu. „Auch der Altersdurchschnitt spricht gegen einen eigenen Ortsverband“, sagte er. Guter Rat war also teuer. Denn die Entscheidung der Harenberger CDU-Mitglieder, sich von den anderen vier Stadtteilen zu trennen, steht. Der entsprechende Antrag liegt beim Kreisverband.

Da unterbreitete Seiffert, nach Rücksprache mit Ortsverbandschef Ulrich Schmidt, seinen Vorschlag. „Wir sind alle in der CDU, da sind wir eine Familie“, sagte er. Ohnehin sei der Schritt mehr ein organisatorischer, die Arbeit in den Stadtteilen könne weitergehen wie bisher. „Dazu brauchen wir nicht überall einen Schatzmeister.“ Ein Affront gegen Harenberg sei die geplante Fusion nicht. „Es sind einige Harenberger gewesen, die anderen vor das Schienbein getreten haben. Wir suchen nur nach einer tragfähigen Lösung.“

Der Harenberger Willi Lindhorst sagte, sein Ortsverband müsse sich jetzt isoliert fühlen – geografisch und politisch – zumal der neue Ortsverband die größte Abteilung in Seelze bilde. Sein parteiinterner Konkurrent Wilhelm Lohmann, der die Sezession Harenbergs vorangetrieben hatte, widersprach: „Wenn es der Sache dient, ist das eine gute Lösung.“ Stadtverbandschef Gerold Papsch wartet die Zustimmung der Parteigremien ab. „Aber wir haben den Knoten durchschlagen“, sagte er. Der Kreisverbandsvorsitzende Hendrik Hoppenstedt hofft, dass in Seelzes Süden jetzt Ruhe einkehrt. „Mit Blick auf die Kommunalwahl 2011 können wir uns nicht nur um Strukturen kümmern, sondern müssen den Menschen politisch und inhaltlich ein gutes Angebot machen“, sagte er.

DAS SAGT DIE KONKURRENZ

Wieder um Inhalte kümmern

Die Grünen beobachten den Zwist bei der CDU, ihrem Partner im Rat, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es ist verrückt, dieses Hin und Her“, sagte Fraktionschef Knut Werner. „Natürlich ist es immer schön, wenn sich andere Parteien zerfleischen. Aber das darf sich nicht auf unsere gemeinsame Arbeit auswirken.“ FDP-Chef Farid Oucherif sagte: „Es täte der CDU gut, sich wieder um Inhalte zu kümmern.“ Die SPD hält sich mit Kritik zurück. „Wir haben selbst Baustellen, gerade in Harenberg“, sagte der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Reinhard Haubrich. „Aber parteiinterner Streit, ob in Berlin oder Harenberg, schadet der gesamten Politik.“


Was das Wählerherz begehrt

Uwe Kreuzer

Konflikt um Ortsverband Harenberg: CDU bietet kaum Inhalt, aber innerparteiliche Posse

Von Uwe Kreuzer, Leine-Zeitung 6.2.2010

Dieses Schauspiel ist reif für die Berliner Bühne. Der Zwist um die Harenberger CDU bietet alles, was das Wählerherz begehrt: Persönliche Animositäten, Stänkereien hinter den Kulissen, Spitzen gegen innerparteiliche Gegner – und dann auch noch eine überraschende Volte, die den vermeintlichen Gewinner des Machtkampfs plötzlich zum großen Verlierer macht.

Ob Velbers Ortsbürgermeister Norbert Seiffert seinen Vorschlag, die vier von Harenberg ausgeschlossenen Ortsteile kurzerhand in den eigenen Ortsverband zu integrieren, tatsächlich spontan und unvorbereitet vorgebracht hat, sei dahingestellt. Machtpolitisch war das ein Schachzug aus dem Lehrbuch. Wilhelm Lohmann, der Harenberger Alleingänger, der auch in seinem Ort längst nicht alle CDU-Mitglieder hinter sich weiß, steht da wie ein begossener Pudel.

Nach Zerwürfnissen und privaten Auseinandersetzungen wollte er die CDU Harenberg ohne die ungeliebten kleineren Ortsteile wieder zu alter Stärke führen – keine politische und personelle Entscheidung der Seelzer CDU sollte ohne Zustimmung des größten Ortsverbands fallen können.

Die größte Ortsgruppe – das wäre aber künftig die neue Formation um Harenberg herum. Lohmann und seine Getreuen werden entbehrlich. Einem Gutteil der Harenberger CDU dürfte das gar nicht schmecken. Eine Palastrevolution gegen Lohmann könnte den nächsten Akt in der Posse bilden.

Kommt es dazu, verliert die CDU weiter an Glaubwürdigkeit. Einst angetreten, um Seelze nach jahrelanger SPD-Herrschaft finanziell zu sanieren und ideell zu erneuern, bieten die Konservativen dem Wähler zurzeit kaum Inhalt, aber offen zur Schau getragene innerparteiliche Konflikte. Sympathisch macht das nicht gerade, ein Jahr vor der Kommunalwahl.

DAS THEMA

Der alte CDU-Ortsverband Harenberg löst sich nach parteiinternen Querelen auf – die Mitglieder aus Döteberg, Lathwehren, Almhorst und Kirchwehren sollen zum Ortsverband Velber wechseln. Das kommt überraschend, denn eigentlich hatte der Stadtverband die Gründung einer neuen Parteigliederung im Südwesten Seelzes vorgeschlagen. Harenberg selbst läge nach der Umstrukturierung isoliert zwischen Ortsteilen, die früher der starken Harenberger CDU angehörten, nun aber plötzlich den größten Ortsverband im Stadtgebiet stellen würden.

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 7. Februar 2010 )
 
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